Presse-Archiv

Veröffentlichungen in der Henne Exquisit Mai - Oktober 2026


 

Veröffentlichungen in der Presse zum Buch "Am Meer an der Küste gleich"



Viernheimer Tageblatt

Ironie, Satire und Doppeldeutigkeit
Im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit las SUSANNA MARTINEZ für die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Texte, gespickt mit Ironie, Satire und Doppeldeutigkeit. Hinsetzen, Lauschen und Klatschen ist genau das, was sich die Autorin nicht von ihrem Publikum wünscht. Sie will Kommunikation, Auseinandersetzung, Anregungen und Kritik, denn nur die bringt sie vorwärts, wie sie sagt. Völlig ungezwungen trat sie den Schülern gegenüber, und Verständnis und Einsicht waren ihr sicher. Solidarität hat für sie nicht nur während der Woche der Brüderlichkeit große Bedeutung. Die Kurzform ihrer Texte bietet ihr die Möglichkeit, ohne viele Worte sehr viel auszudrücken.

Südhessische Post
Prozess des Umdenkens und Umhandelns in Gang setzen
Sie las nicht von der Bühne herunter, sie saß inmitten ihrer Zuhörer, denen sie im Laufe des Abends eine Menge Denkarbeit abverlangte. Sie lässt kein Thema aus. 'Mich menschenkundig machen', so der Titel ihres neuen Buches, ist für die Künstlerin eine Aussage mit doppeltem Sinn. Es ist einerseits der Versuch, sich selbst den Menschen vorzustellen und näherzubringen, andererseits aber auch, etwas über die Menschen zu erfahren. Doppeldeutigkeiten sind eine Spezialität von Martinez. Wofür andere ganze Verse brauchen, genügt ihr ein Wort.

Die Rheinpfalz
Die Realität entwaffnet Glücksmomente
Ihre Sprachspäne sind kurze, knallharte Sentenzen. Die Annäherung an ihre Texte wird zur provokanten Begegnung, die Worte schreien nach einer Denkpause. Gedichte zum Angreifen nennt die Autorin diesen Stil. Ihr Anspruch ist Detailtreue. Sie macht wenig Worte, aber sie sagt alles. Ihre Aphorismen und Sentenzen sind mehrfacher Interpretation zugänglich. Ironie, Mut zu harten Pointen verliert Susanna Martinez nie: Liebe, Politik, Gewalt, Leben und Tod sind die Themen. Oder ist da noch anderes, was erst das zweite, genauere Lesen offenbart?

Allgemeine Zeitung Mainz
Eine schreibt vom Leben
Mit wachem Augenmerk und für gesellschaftliche Ungerechtigkeiten hoch sensibilisiert, befasst sich die Kunstsinnige auch im Alltäglichen bevorzugt mit kreativer Aneignung/Analyse von Sprache: den Mitmenschen bringt sie didaktisch geschickt moderne Lyrik mit Bildern als 'Brückenschlag-Medium' nahe. Ebenso scharfsinnig wie schnörkellos entlarvt die passionierte Briefschreiberin oft benutzte verbale Mogelpackungen, geht Dingen und Menschen auf den Grund. Lebendige Farben und aphoristische Treffsicherheit, sowie gedankenvolle Formulierungen machen ihre Qualität aus.

Lampertheimer Zeitung
Sprachbilder und Sprachspäne
Wesentliche Merkmale ihrer scharfen analytischen Zeilen sind die bildhafte Sprache und die Wortspiele. 'Ich' und 'wir' kommt in ihren Gedichten häufig vor. Sie grenzt sich nicht aus den Problemen aus, die sie anreißt, sondern begreift sich auch selbst als Problem. Sie nimmt dabei auch die Widersprüchlichkeiten und Perversitäten des täglichen Sprachgebrauchs aufs Korn. Damit wird sie gleichsam zur Chirurgin, die aufdeckt, was, nur so dahingesagt, doch viel über unsere Gesellschaft und unsere innere Einstellung verrät. In allem spürt der Leser und Hörer ein tiefes soziales Engagement und die ausgeprägte Fähigkeit zur Analyse.

Mannheimer Morgen
Doppelsinniges in Sprache und Aussage
Spuren auf ungegangenen Wegen hinterlassen. Vom lethargiebehafteten bloßen Umdenken-Wollen zum aktiven Um-Handeln anregen, sich nicht vordergründig sach-, sondern viel lieber menschenkundig machen: Das sind die Anliegen und Ansprüche an sich selbst wie an das Ego anderer der schriftstellernden Lehrerin und lehrenden Schriftstellerin SUSANNA MARTINEZ. Knapp eineinhalb Stunden sich bisweilen hart im Raum stoßende Gedanken, offensive Auseinandersetzung und Zuhilfenahme von Lyrik und Ironie, Hinterfragung und In-Frage-Stellung. Die von der Heddesheimer Gemeindebücherei intensiv gepflegte Annäherung an höhere Literaturwerte in Form von Autorenlesungen übersprang eine wichtige Marke, erlebte eine außergewöhnliche Sternstunde.

Eigentlich schreibe sie ihre Verse, Aphorismen und Sentenzen vorwiegend, um Spaß zu machen, warnte SUSANNA MARTINEZ vorneweg, aber auch Texte, über die sich der eine oder die andere gehörig ärgere. So sind die Anwesenden schnell mittendrin in der von der Autorin einzigartig beherrschten Anwendung janusköpfiger Text- und Wortspielereien.

In scharfkantig-hellsichtigen Gesellschaftsanalysen hat SUSANNA MARTINEZ alle Hände voll zu tun, ihren zu Papier kommenden Gedankensticheleien Gelassenheit zukommen zu lassen. 'Beim aufeinander Zugehen werden unsere Behinderungen sichtbar', eine frappante Balance aus feiner Nuancierung und der Aufrechterhaltung durchgehender Spannung. 'Wohin' - 'Ich weiß es. Keines Wegs': assoziative Konturenzeichnungen menschlicher Landschaft, Blicke hinter äußere Manifestationen und Relikte ihrer Geschichte. In ihrer Sprache der mannigfaltigen Chiffren und Bedeutungen, die vom Leser ein intensives Sich-Einlassen erfordern, spiegelt sich gleichzeitig ein Selbstfindungsprozess. Ihre Texte sind, seien sie nun politisch gewürzt, Naturbeschreibungen oder Liebesgedichte, Wegweiser bei dem Versuch, an den Kern des eigenen Wesens zu stoßen.

Schwetzinger Zeitung
Die eigentliche Bedeutung der Wörter
Häufig bezieht sich die hauptberufliche Lehrerin auf Redewendungen. Dabei geht sie den Wörtern auf den Grund und deckt Paradoxes auf. Absurde Sprachregelungen bleiben von der Kritik der Lyrikerin nicht verschont. In ihren Gedichten arbeitet die Autorin stets mit der Sprache als Material. Sie entdeckt neue Verbindungen, die neue Sinnzusammenhänge entstehen lassen. Unzählige Male greift sie Redewendungen auf, die sie ganz wörtlich nimmt. Dadurch deckt sie die Rückseite der Sprache auf, zeigt, was hinter unseren Redensarten steckt.

Südhessen Morgen
Brilliante Knappheit
Die Präzision der Erkenntnis, und das ist das Faszinierende an Susanna Martinez, vermag sie mit sprachlicher Brillianz in auf das knappste reduzierte Verse umzusetzen. Ihre philosophische Neigung, den Dingen auf den Grund zu gehen, den Worten in ihrer eigentlichen Bedeutung nachzuforschen, hat sie zu tiefgründigen Erkenntnissen geführt. Mit dem gezielten Einsatz von Doppeldeutigkeiten erreicht sie ihre Zuhörer auf mehreren Ebenen. Was zunächst auf der einen Ebene noch zum fröhlichen Lachen animiert, erweist sich im Nachklang als Entlarvung verblüffender tatsächlicher Absichten oder Einsichten.

 

Mannheimer Morgen - 23.04.2002
Als die amerikanischen Besatzer heimkehrten, ließen sie mehr zurück als gebrochene Herzen
Susanna Martinez und ihre Geschichte: Wie die Tochter eines GIs ihren Vater nach 31 Jahren wieder fand
Von unserem Redaktionsmitglied Susanne Räuchle

Die Gefühle schlagen in der Magengrube Alarm, das Herz pumpt wie verrückt, und der Suchblick irrt nervös durch die Ankunftshalle im Flughafen von Puerto Rico: Susanna Martinez, geborene Gertrud Emilie Wahl, ist gelandet. Nach 31 Jahren endlich angekommen im Land ihres Vaters, jenes großen Unbekannten in einer komplizierte Lebens-Gleichung, die sie erst 1977 löst. So lange gegrübelt, alle Möglichkeiten durchkalkuliert, aber damit hat sie dann doch nicht gerechnet: Er kommt auf sie zu, nimmt sie zitternd vor Aufregung in den Arm und bindet den Beziehungsfaden ganz einfach und wie selbstverständlich dort an, wo er im Oktober 1945 gerissen ist. "Wie geht es deiner Mutter?" sind die ersten Worte, die Susanna aus dem Munde ihres fremden Vaters hört.

Wie geht's der Mutter? Hinter dem verlegenen Lächeln lauert die bange, lange weg geschobene Frage: Wie ging's der Mutter damals, im Oktober 1945? Als der junge, schöne US-Soldat Ismael Martinez plötzlich abkommandiert wurde aus Neckarau, am Ende eines wilden, lebenshungrigen ersten Nachkriegssommers, der im Juni 1945 begonnen hatte.

Mannheim in Schutt und Asche, man jongliert am Rande fast vollständiger materieller und kulturell-geistiger Zerstörung. Auch die 24-jährige Hilde Gumbel ist eine Geschlagene: Ihr viel geliebter Mann Leo Gumbel war 1943 irgendwo in Russland gestorben. Ein "akuter Blinddarm" stand in der Todesnachricht. Doch wer glaubte das schon? Vielleicht war er irgendwo gefallen, wurde nicht mal mehr gefunden zwischen all den zerfetzten Leibern, nicht mal mehr verscharrt im gefrorenen Boden. Weg mit diesen Horror-Bildern - Hilde Gumbel, die 22-jährige Kriegerwitwe, kriecht wieder bei den Eltern unter, im dörflichen Neckarau, ins Nest, wo's noch ein bisschen was zu beißen gibt, wo noch ein Funken von Hoffnung und Glauben die eisige Kriegszeit erwärmt. Endlich, am Gründonnerstag, dem 29. März 1945, wehen auf schwarzen Ruinen nur noch weiße Fahnen. Für Mannheim ist der Krieg zu Ende . . . Hilde Gumbel, die hübsche junge Frau mit dem traurigem Blick hinter der Buchhalterbrille, die brave Tochter, sie versucht als Bankangestellte mit akkurater Sorgfalt bei der Volksbank den chaotischen Geldverkehr zu regulieren.

Dann sind sie plötzlich da und wirbeln als US-Besatzer den Trümmerstaub auf: junge temperamentvolle Männer voll Saft und Kraft, die Sieger, die trotz des Fraternisierungsverbotes die "Frauleins" anlachen. Ganz besonders strahlen die Puertoricaner, diese braun gebrannten Schönwettermenschen, da sprüht karibische Lebenslust in Neckarau auf, prallt ab am Fels der spießigen Kleinbürgerlichkeit, reißt aber ebenso viele begeistert mit. Wohl auch Hilde Gumbel. Ein schrecklich-schöner bitter-süßer heimlich-heißer Sommer 1945. Im Oktober wird Ismael abkommandiert. Hilde Gumbel hält von ihrem kurzen Glück nur noch einen Wisch mit der Heimatadresse, ein paar Ismael-Fotos und einen Fünf-Mark-Schein (den sie nie ausgeben wird) in den Händen. Und sie ist schwanger! Als sich die Vermutung für ganz Neckarau sichtbar zur Gewissheit abrundet, geht Hilde Gumbel durch die Hölle. Die Eltern, von den kreuzbraven katholischen Konventionen eingeengt, können sich über diesen Zuwachs nicht freuen, "die Schande" kaum ertragen. Die Pharisäer im Vorort tuscheln, ätzende Häme ergießt sich über die Familie.

Zur Entbindung verkriecht sich die "Schuldige" aufs Land, nach Hardheim bei Buchen, dort ist die Ernährungslage besser und die Entfernung größer: keine Blicke, keine Fragen. Am 15. März kommt ein zuckersüßes Mädchen auf die Welt, mit Glutäuglein und dunklem Teint, der wird durch den erzdeutschen Namen etwas weiß getauft: Gertrud Emilie Wahl, da erlischt jeder Gedanke an einen karibischen Funken.

Aber dann bricht der Zauber der winzig kleinen Gertrud doch alle Herzen und reißt die Zwänge ein: Sobald sie laufen kann, spaziert der Opa stolz mit seiner goldigen Enkelin an der Hand durch Neckarau. Nein, wie ist sie auch süß, so herausgeputzt mit Rüschenkleidchen, die dicken Haare mit Spucke gescheitelt und die Zöpfe stramm geflochten. Als Puppenmutti mit Zelluloidgretchen aus der Neckarauer Schildkröt strahlt sie in die Kamera. Da ist fast alles vergeben und vergessen. 1949 überwindet der Großvater Valentin Wahl seine Ressentiments, setzt sich hin und schreibt mit steiler, gestochen scharfer Schrift einen Brief an Ismael Martinez Rivera, Camuy, Puerto Rico. Ein Brief ins Blaue, ungewiss, ob die Adresse stimmt, viele andere Besatzungssoldaten hinterließen mit flüchtigem Gruß und Kuss eine falsche Anschrift. Ein Übersetzer bringt die förmlichen Worte in sauberes Spanisch und ab geht die Post. Und es kommt, oh Wunder!, eine Antwort. Ismaels ältere Schwester Lola nimmt Fühlung auf und lässt bald schon liebevolles Interesse an der deutschen Nichte einfließen. Sie selbst hat ein Sohn gleichen Alters und dankt nun der Vorsehung für dieses Gottesgeschenk, himmelweit weg und doch so nah. Der Vater Ismael Martinez lässt nichts von sich hören, heiratet 1950 eine Puertoricanerin. Drei Töchter kommen zur Welt, seine Frau ist rasend eifersüchtig auf das deutsche Vorleben. Da drücken ihn andere Sorgen, sucht er seine Ruhe im Hier und Jetzt. Aber die treue Lola schreibt und schreibt und packt Geschenke für little Gertrud: Der Neckarauer Opa schickt Dank retour an die liebe Lolita, oder Lola oder Loli: "1 Paar weiße Halbschuhe, 1 Stück Seidenstoff, 3 Paar Halbstrümpfe, 1 Glas und 1 Schachtel Bonbons, 2 Unterhosen," quittiert er förmlich den Erhalt der schönen Sachen, und seine Befangenheit sucht in Floskeln Zuflucht: "Zur Zeit haben wir Winter hier." Ganze Ordner voller Zuneigung und Wärme, mit deutscher Gründlichkeit abgeheftet, findet Susanna Martinez später, als sie sich längst nicht mehr Gertrud nennen will.

Aber nicht nur dieses Wohlgelittensein hat sie gespürt in ihrer Jugend, da war immer auch ein Stachel im Fleisch. Dieses Unausgesprochene, das sich wie ein Trauerflor über die Kindheit legte. "Immer der leise Zweifel, die Angst, eine Last zu sein." Sie schnappt das Wort Ami-Bankert auf, das klingt böse. Deshalb will dieses Kind alles gut machen, bockt nicht, passt sich an. Auch als die Mutter Hilde Gumbel 1952 den viel älteren Richard Kramer heiratet und mit ihrer Kleinen zu ihm an den Speckweg zieht. 57 Jahre alt ist der Stiefvater, aber immerhin, ein integrer Sozialdemokrat, der Gertrud seinen Namen gibt. Jetzt ist sie legitimiert. Und funktioniert. Mit sechs Jahren kann sie schon Schnitzel panieren und backen, so viel Anstelligkeit schmeckt den Großen. Auch auf den Stiefbruder Robert, der 1955 geboren wird, passt sie gerne auf, und in der Waldschule macht das aparte dunkle Mädchen nie Probleme, ist etwas Besonders und will es nicht sein. Die Buben schwärmen für Gertrud, ihr Klassenkamerad und späterer Ehemann Hans-Peter Schwöbel verguckt sich damals schon in die Samtaugen. Realschule, Wirtschaftsabitur, ein schnurgerader Kurs. Schwöbel (heute als Kabarettist und Professor bekannt) sieht seine Flamme wieder und kriegt sie mit Komik und karibischen Fantastereien von einer Hühnerfarm rum: 1967 wird geheiratet, 1969 biegt Gertrud Schwöbel als Lehrerin in die Beamtenlaufbahn ein.

Das Ungewisse bleibt, die Mutter schweigt, verdrängt die ismaelische Geschichte. Tochter Gertrud treibt es hinaus in die weite Welt, 1973 geht sie für zwei Jahre an die International American School nach Mogadischu. In Somalia krallt sich diese Sehnsucht fest, diese dringende existenzielle Frage nach dem Woher, das Wissenwollen lässt sie nun nicht mehr los. 1977 ist es soweit: Sie fliegt. "Ich habe meine Wurzeln gefunden!" telegrafiert sie ihrem Mann in den Iran. Der sitzt in Teheran und arbeitet für seine Dissertation an einem Alphabetisierungsprojekt, während seine Frau in ihr anderes Ich abtaucht und in Puerto Rico in einem Meer der Zuneigung schwimmt, das alle Zweifel des Nichtgewolltseins wegspült.

"Eine Lücke hat sich geschlossen," sagt sie heute, ein Vierteljahrhundert nach der Vaterbegegnung. Das Ereignis zieht Folgen nach sich: Gertrud schüttelt ihren altdeutschen Namen ab und nennt sich fortan nach ihrer Neckarauer Großmutter Susanna und nach ihrem
Vater Martinez. Es öffnen sich Schleusen, es fließen Gedichte aus ihr und finden Form in drei Büchern (erschienen im Feuerbaum Verlag). Elf Mal flog Susanna Martinez schon in ihre andere Heimat. Dort wartet der heute 79-jährige Vater, auch Tante Lola, nun 90 Jahre alt lebt, liebt und lacht noch, und die Riesenverwandtschaft reicht Susanna und ihren Mann "Juanito" von einem kreolischen Festessen zum anderen - fast wie im Märchen.

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Susanna Martinez

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